Gründach

Das Gründach entwickelte sich seit Errichtung der Filterhallen im Jahre 1871/72. Auf das Dach der Filterhallen wurde zunächst eine 10 cm dicke Sandschicht aufgetragen. Sie sollte als Isolierung des Filterhallendaches dienen und so eine Erwärmung des zu reinigenden Wassers verhindern. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich auf der Sandfläche eine einzigartige Spontanvegetation, deren Zusammensetzung von der extremen Nährstoffarmut und der guten Luftqualität im Grunewald bestimmt wird. Die Luftqualität ist auf die Lage am Westrand der Stadt und die nordwestliche Hauptwindrichtung zurückzuführen. So konnten sich als berlinweite Besonderheit auf dem Gründach einzigartige schützenswerte Rentierflechten ansiedeln.

Der Flechtenbestand - eine berlinweite Besonderheit

Eine Besonderheit ist die Dominanz polsterförmiger Rentierflechten (Cladonia-Arten) und Moose.

In Blütezeit fallen unter den Einjährigen der Leindotter (Camelina microcarpa) und der Reiherschnabel (Eridium cicutarium) auf; unter den Zweijährigen der Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare) und die Feldkresse (Lepidium campestre). Diese Arten sind Besiedler von Pionierstandorten und Magerrasen (Vegetationstyp). Typische mehrjährige Pflanzen sind das Platthalmrispengras (Poa compressa) und der Schafschwingel (Festuca ovina). Charakteristische Insekten des Lebensraums "Grasdach" sind die Wildbienen/ Solitärbienen, die in der nahegelegenen Bienenwand oder in der Sandschicht des Gründachs nisten und vom Blütenreichtum profitieren. Dort leben pflanzenfressende Insekten (Phytophage), wie z.B. der "Natternkopfbockkäfer" (Phytoecia coerulea), der "Natternkopfwurzelrüssler" (Mogulones geographicus), sowie der an Gräsern trockener Standorte lebende Getreide-Spitzling (Aelia acuminata), eine Wanzenart.

Wo befindet sich das Gründach?